Campst du noch oder wohnst du schon?

Campst du noch oder wohnst du schon?

Im ursprünglichen Sinn versteht man unter Camping die Übernachtung in mobilen Unterkünften. Dazu zählen auch Wohnmobile. Früher definierte man mit dem Campen die Reduktion auf das Wesentliche. Doch dank technologischer Innovationen hat sich der Standard der Wohnmobile in den letzten Jahren grundlegend geändert und sich daher vom klassischen Camping weitgehend verabschiedet. Angesichts der Ausstattungsmöglichkeiten sind die Fahrzeuge heutzutage weit mehr als Camper. Es sind Wohnungen auf Rädern.

Die ersten Generationen der Wohnmobile waren sehr spartanisch ausgestattet. Der Ideenreichtum kannte keine Grenzen, doch die Einrichtung beschränkte sich üblicherweise auf eine Kochstelle, Schlafmöglichkeiten und ggf. auf ein Waschbecken. Später gesellte sich noch der Kühlschrank, die Toilette und Dusche hinzu. Das Camperleben fand jedoch grundsätzlich im Freien statt.

Bei den modernen Wohnmobilen fehlt es prinzipiell an keinen Komfortmerkmalen, die man auch von zu Hause gewohnt ist: eine leistungsfähige Heizungsanlage, fließendes Warmwasser, ein multimedialer Unterhaltungsbereich, eine Mobilfunkverbindung, elektrische Vorsorgung mit 230-V-Wechselstrom (nicht nur 12 V) sowie wintertaugliche bzw. -feste Aufbauten für ganzjährige Reisen. In Premium- und Luxusfahrzeugen findet man zudem eine vollausgestattete Kücheneinrichtung inklusive Kaffeeautomat, Backofen und Spülmaschine, oft eine Waschmaschine sowie weitere Haushaltsgegenstände und technische Funktionen, die einen Wohnkomfort auf höchstem Niveau garantieren.
Die Fülle der genannten Annehmlichkeiten wäre ohne die beträchtliche Steigerung der Autarkie moderner Wohnmobile nicht denkbar. Die wahre Revolution liegt nicht nur in der Ausstattung selbst, sondern in der Fähigkeit, diese Ansprüche über längere Zeiträume und fernab jeglicher Infrastruktur zu befriedigen.

Die technologischen Sprünge haben das Campingerlebnis und -verhalten fundamental verändert. Wer sein Fahrzeug so ausgestattet hat, nutzt es auch und zieht sich des Öfteren in sein mobiles Heim zurück — zum Missfallen der Camping-Puristen. 
Wir können deren Haltung nachempfinden. Die Gemeinschaft der Camping-Gemeinde verliert zunehmend den Zusammenhalt. Anstatt sich wie früher auszutauschen, machen heutzutage mehr und mehr ihr eigenes Ding. Die Kommunikation verlagert sich von gemeinsamen Abenden in die isolierte Kabine.

Andererseits liegt gerade in der Autarkie der zentrale Gewinn, uns an unterschiedlichen Orten so weit wie möglich unabhängig bewegen und uns auf die vorgefundene Situation einstellen zu können. Genau hier entfaltet sich das volle Potenzial unseres Wohnmobils. Es gibt uns vor Ort die nötige Vielseitigkeit und Resilienz, unsere Unternehmungen wunschgemäß zu gestalten, ohne dabei auf die gewohnte, behagliche Umgebung zu verzichten. Für unseren Reisestil ist es das perfekte Ökosystem.
Mit dem traditionellen Camping hat der Anspruch an den Lebensraum natürlich wenig gemein. Letztendlich ist die Unterscheidung weniger eine Frage der Wertigkeit, sondern der persönlichen Priorität. Ob wir nun „campen“ oder „wohnen“ — die Sehnsucht nach der mobilen Freiheit ist die Basis für alle, die das Leben auf Rädern lieben.

Foto:
Camping International Lido in Luzern

Fassung des Artikels:
16. November 2025

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