Baskenland – im Sog des Bilbao-Effekts

In Euskadi vom 25. September bis 2. Oktober 2019.
Diese Reise entsprang einem Zufall. Wir stolperten über einen Kurzbeitrag in einer Urlaubszeitschrift, der diese Destination anpries. Das Baskenland als Reiseziel lag erstmal nicht auf der Hand, doch je länger wir uns damit beschäftigten, desto mehr stellten wir fest, wie prädestiniert die Region für uns als Globetrotter ist.
Die Basken gelten seit jeher als trotzköpfig und rebellisch, freundlich formuliert als traditionsbewusst. Sie machen daraus auch keinen Hehl, pflegen eine eigene Sprache (Euskara) und würden sich liebend gerne von den Nationen Spanien und Frankreich abnabeln. Dabei ist die exakte Gebietsabgrenzung obendrein umstritten. Ihr Gebaren ist kämpferisch. Dies hatte ihren Höhepunkt in der linksnationalistischen Untergrundorganisation „Euskadi Ta Askatasuna“ (ETA, dt.: Baskenland und Freiheit), die anfangs Widerstand gegen die Franco-Diktatur leistete, dann mit terroristischen Anschlägen für ein autonomes, sozialistisch geprägtes Baskenland eintrat. Der Bürgerkrieg forderte 830 Menschen das Leben. Obwohl sich die ETA am 2. Mai 2018 selbst auflöste, sind in den Städten noch zahlreiche Fahnen, Symbole und Parolen von Gesinnungsgenossen zu sehen.

In den 1980er Jahren machte sich zudem der industrielle Niedergang bemerkbar. Insbesondere die Schließung von Eisenhütten und Werften brachte die Provinzmetropole Bilbao wirtschaftlich ins Taumeln. Eine hohe Arbeitslosigkeit war die Folge.

Doch dann erfand sich Bilbao neu. Das Stadtbild änderte sich grundlegend. Startschuss für den einzigartigen Boom war 1997 der provokante Bau des Guggenheim-Museums, der von keinem geringeren als Stararchitekt Frank Gehry entworfen wurde. Sein Werk erzielte weltweite Aufmerksamkeit. Seitdem geben sich Architekten mit Rang und Namen in Bilbao und Umgebung die Klinke in die Hand. Der „Bilbao-Effekt“ war geboren und hat inzwischen die ganze Region erfasst.

Zeit für uns, unsere Neugier zu stillen und dem Baskenland ein Besuch abzustatten. Für extravagante Architektur sind wir immer zu haben. Selbstverständlich auch für Weinproben ausgewählter Rioja-Weine der besten Bodegas Spaniens. Und haben die Basken nun tatsächlich so ein derbes Gemüt wie allseits behauptet? Wir meinen: eine harte Schale, jedoch einen weichen Kern.
Unser Fotoalbum kann über die nachfolgende Diashow (gewünschte Miniaturansicht bitte auswählen) oder zum Kommentieren und Teilen direkt bei Flickr betrachtet werden.

Unser Tagebuch ist nachfolgend in einem statischen Bereich auf dieser Webseite eingebettet. Für eine vollwertige Darstellung kann es auch direkt bei FindPenguins betrachtet werden.

Wir begnügten uns bei der Rundreise mit dem spanischen Teil des Baskenlandes. Man sollte sich aber mehr Zeit als acht Tage gönnen. Eine Besichtigung der zahlreichen Sehenswürdigkeiten entlang unserer 1.069 km langen Route wäre in mindestens zehn Tagen deutlich entspannter gewesen. Dabei hatten wir manche Hotspots wie zum Beispiel die Stadt Pamplona noch gar nicht einmal im Visier. Aber wir lieben es ja so.

Gleichwohl waren wir von den Erlebnissen mehr als angetan. Vielleicht auch deswegen, weil wir sie in dieser Vielfalt im Vorfeld nicht erwartet haben. Trotz des mannigfaltigen Angebots ist der Tourismus dort noch moderat. Man nutzt die Welle des Aufschwungs sogar eher zur behutsamen Stärkung des Fremdenverkehrs. Und wer die nötige Distanz zu seinen Mitmenschen braucht, für den gibt es genügend Pfade für einsame Wanderungen.

Unsere Wetter-Glückssträhne hielt weiter an. Wir trafen den Schönwetter-Slot zwischen zwei Tiefdruckgebiete wie immer punktgenau. Dafür müssen wir gleich nochmal auf Holz klopfen. Auffällig waren die späten Uhrzeiten der Sonnenauf- und -untergänge. Das Baskenland liegt gemessen an Längengraden westlicher als London, allerdings zugleich in der mitteleuropäischen Zeitzone. So wurde es erst gegen 7.30 Uhr langsam hell.

Der Tagesrhythmus der Basken ist daher anders getaktet als unserer. In den Hotels gibt es vor 8 Uhr kein Frühstück, manchmal auch erst um 9 Uhr. Abends gleichfalls: vor 20 Uhr haben noch alle Restaurants geschlossen. Untertags gesellt man sich mit Vorliebe in Pintxo-Bars. Pintxos sind die Pendants zu den spanischen Tapas und verbunden mit einem Glas Wein ein wahrer Gaumenschmaus. Man sollte jedoch Touristenbars meiden, sonst weint der Geldbeutel. Wir haben stattdessen ein paar Empfehlungen im Album versteckt.

Einige Autobahnteilstücke sind im privaten Eigentum. Sie nennt man Autopistas und erkennt man manchmal zu spät an den automatischen Zahlstationen. Aus Mangel an alternativen Schnellverbindungen mussten wir zwischen Bilbao und Haro eine stolze Mautgebühr berappen. In andere Richtungen konnten wir auf die Autovías wechseln. So werden die mautfreien Autobahnen bezeichnet, die sich in staatlicher Hand befinden.

Wir können jeden ermutigen, der sich ein Bild von den Basken machen möchte. Menschen mit Baskenmützen wird man selten antreffen. Es trägt auch nicht jeder Bayer eine Lederhose. Leider haben wir auch kein Pelota-Spiel, die baskische Volkssportart, gesehen. Stattdessen haben wir viele andere Besonderheiten kennengelernt, in denen sich das Baskenland vom übrigen Spanien abhebt. Es lohnt sich also, die Gegensätze zu entdecken.

Reiseinformationen

Central European Time (CET)

Spanien liegt in der gleichen Zeitzone wie Deutschland und praktiziert die gleiche Sommerzeitregelung. Zwischen diesen beiden Ländern besteht daher keine Zeitdifferenz.
Die Monate April bis Oktober sind hierzu ideal. Das atlantische Klima ist im Vergleich spürbar milder als zum Rest der iberischen Halbinsel. An der Küste ist es in der Regel windig mit besten Bedingungen für Surfer. Während das Wetter im kantabrischen Gebirge oft wechselhaft ist, scheint im Rioja-Weinanbaugebiet häufig die Sonne. Dort ist es außerdem im Sommer sehr heiß und trocken.
Der Personalausweis ist mitzuführen. Innerhalb der Schengen-Länder werden jedoch in der Regel keine Ausweiskontrollen durchgeführt.
In der Autonomen Gemeinschaft Baskenland ist neben Spanisch auch Baskisch eine verbreitete Umgangs- und zugelassene Amtssprache. Hinweisschilder sind in der Regel zweisprachig ausgewiesen.
Bei Kontaktaufnahme mit Einheimischen konnten wir uns mit Englisch problemlos verständigen.
Zahlungsmittel ist in Spanien der Euro.

Wie in Deutschland wird beim alltäglichen Konsum noch überwiegend bar bezahlt. Hotels, Restaurants, Tankstellen sowie Handelsketten sind aber auch auf Bank- und Kreditkartenbezahlung vorbereitet. Zum Geld abheben steht ein dichtes Netz an Geldautomaten bereit.
Wer mit dem Flugzeug anreist, landet in der Regel auf dem internationalen Flughafen von Bilbao. Für Stadtbesichtigungen ist das öffentliche Verkehrsnetz gut ausgebaut. Die Metro von Bilbao verbindet alle Ortschaften im Tal des Nervión bis zur Mündung in die Biskaya. Zwischen den großen Städten verkehren regelmäßige Buslinien. Um jedoch in die Natur des kantabrischen Gebirges oder in das Weinanbaugebiet La Rioja zu gelangen, ist ein Mietwagen vorteilhafter. Hierbei ist zu beachten, dass Autopistas (AP) mautpflichtig, Autovías (A) hingegen mautfrei sind. Die Alkoholgrenze liegt beim Atemtest bei 0,25 Promille.
Für den Aufenthalt im Baskenland ist keine spezielle gesundheitliche Vorsorge notwendig. In Spanien gilt die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC), allerdings ist eine Zahnbehandlung im spanischen Gesundheitssystem nicht enthalten. Es empfiehlt sich daher der Abschluss einer Reisekrankenversicherung.
Von Demonstrationen sollte man sich fernhalten, da diese schnell eskalieren können. Eine Terrorgefahr wie in den 1970er und 1980er Jahren ist allerdings nicht zu befürchten. Wie üblich sind Wertsachen und Ausweise vor Taschendiebstahl und Kleinkriminalität zu schützen.
Hinweis:
Die oben genannten Angaben sind selbst recherchierte Informationen, erweitert mit eigenen Erfahrungen. Sie geben den Stand zum Zeitpunkt der Reise wieder und werden nicht aktualisiert.

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