Der Wohnmobil-Boom geht weiter
Eigentlich bevorzugen wir es, über die Impressionen und Erlebnisse unserer Reisen zu schreiben. Das Wohnmobil spielt darin zwar auch eine Rolle, es ist dabei aber eher Mittel zum Zweck. Doch die Realität spricht eine andere Sprache. Die meisten Rückfragen drehen sich um unsere mobile Ferienwohnung. Der Hype ist unüberhörbar! Wir überbrücken die Wartezeit bis zur nächsten Tour mit einer neuen Serie, in der wir unsere Erfahrungen teilen.
Rekordzulassungen bei Wohnmobilen
Die Begeisterung kennt trotz Branchenkrise einzelner Hersteller und Händler, die unter anderem auf betriebswirtschaftliche Fehlentscheidungen zurückzuführen sind, keine Grenzen. Sie drückt sich auch in Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes aus:
Am 1. April 2025 übertraf erstmals die Anzahl der als Wohnmobil zugelassenen Fahrzeuge die Millionengrenze (1.002.562 Fahrzeuge). Zum Vergleich: Vor der COVID-19-Pandemie belief sich die Anzahl noch auf 589.355 Fahrzeuge (Stand: 1. Januar 2020). Im Jahr 2024 wurden in Deutschland insgesamt 74.718 Wohnmobile neu zugelassen, was einem Zuwachs von 9,1 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Die Statistik erfasst nur das Wohnmobilsegment inklusive Vans und Kastenwagen. Caravans (z.B. Wohnwagen) oder etwa Autos mit Schlafstelle (z.B. Dachzelt) sind nicht eingerechnet.
Gründe für den Wohnmobil-Hype
Die hohe Wohnmobilnachfrage ist das Ergebnis eines gesteigerten Bedürfnisses nach Sicherheit, Flexibilität und Authentizität im Urlaub, stark beschleunigt durch die globalen Krisen der letzten Jahre und befeuert durch den positiven Image-Wandel.
Der „Corona“-Effekt
Die Pandemie wirkte wie ein Brandbeschleuniger. Plötzlich waren Hotels, Flugzeuge und Kreuzfahrten mit Unsicherheiten verbunden. Ein Wohnmobil bot die perfekte, isolierte Blase für den Urlaub. Da Fernreisen schwierig bzw. sogar unmöglich wurden, konzentrierte man sich auf heimatnahe Reiseziele.
Maximale Freiheit und Flexibilität
Der traditionelle Hauptvorteil ist jedoch die Spontanität und Unabhängigkeit. Keine feste Buchung, keine Check-in-Zeiten. Man kann heute am Meer stehen und morgen in den Bergen aufwachen. Hinzu kommt die freie Routenplanung – je nach Wetterlage sowie Lust und Laune.
Der Wunsch nach Natur und Entschleunigung
Als Gegenbewegung zum durchgetakteten Pauschaltourismus findet Camping immer mehr Zuspruch. Camper suchen das aktive Erleben (z.B. Wandern, Radfahren, Surfen) statt nur am Hotelpool zu liegen. Das Wohnmobil ist dabei der gebräuchlichste Schlüssel für die Auszeit vom Alltag.
Der Image-Wandel und die Erschließung neuer Zielgruppen
Das Wohnmobil hat eine radikale Frischzellenkur erfahren und sich zum Lifestyle-Trend gemausert. Vanlife ist in. Die wachsende Zahl der digitalen Nomaden nutzt das Wohnmobil dank besserer Mobilfunkverbindungen als mobiles Büro.
Das „Will-ich-auch-haben“-Gefühl
Bei der Popularität des Wohnmobils spielen natürlich auch die Sozialen Medien eine wichtige Rolle. Die vorzugsweise Darstellung der Freiheit, Lagerfeuer-Romantik oder von traumhaften Stellplätzen weckt den Wunsch, den ungebundenen Lebensstil zu imitieren.
Camping im Fokus
Wohnmobile sind die komfortable und flexible Variante des Campings. Sie wird immer beliebter. Minimalisten bevorzugen hingegen die klassische Form mit Schlafsack, Isomatte und Zelt. Hierzu zählen auch jene, die ihr Zelt auf dem Autodach montiert haben. Diejenigen, die hauptsächlich Campingplatz-Atmosphäre einatmen wollen, entscheiden sich für einen Wohnwagen oder ein Mobilheim als Unterkunft. Seit einigen Jahren etabliert sich zudem das so genannte „Glamping“ (glamourous camping). Diese luxuriöse Form des Campings ist gleichzeitig ein Dorn im Auge der Minimalisten.
Doch auch in der Kategorie der Wohnmobile gibt es fundamentale Unterschiede in der Bauart, Größe, Ausstattung sowie in den Grundrissen und Kosten. Wir werden in nachfolgenden Artikeln exklusiv darauf eingehen.
Hotel war gestern – meistens zumindest
Wir touren inzwischen seit knapp drei Jahren mit dem Wohnmobil scheibchenweise durch Europa. Rückblickend hätte uns gar nichts Besseres passieren können. Das trifft aber bestimmt nicht für jeden zu, der sich am Campen versucht hat. Warum das so ist, wollen wir ungeschönt offenlegen. Perfekt für Neulinge also, die sich konkret oder auch nur schnuppernd mit dem Gedanken tragen, in die Camping-Welt einzutauchen.
Das Spektrum des Campings ist sehr breit und vielfältig. Wir versuchen es möglichst umfassend einzufangen. Natürlich fließen dabei ungeschönte und subjektive Aspekte ein, die sich aus unseren Erkenntnissen gebildet haben. Unsere Meinung ist nicht in Stein gemeiselt, sondern soll bestenfalls als Anhaltspunkt dienen, um den eigenen Weg in die mobile Unabhängigkeit oder Abstand davon zu finden.
Keine Sorge: Tiefer ins Detail gehen wir nicht. Für eingefleischtes Expertenwissen verweisen wir auf die einschlägigen Kanäle der Camping-Profis, die vor allem auf der YouTube-Plattform erfolgreich sind.
Foto:
Camping Covelo am Iseosee
Fassung des Artikels:
2. November 2025